Zusammenarbeit beginnt bei Dir

Illustration Erfolg
Sayah Berjandi, Gründerin von bravework.

Wie entsteht Silodenken in Organisationen?

Menschen neigen dazu, sich in Gruppen abzugrenzen. Diese psychologischen Muster fördern Silodenken, Konkurrenz und Informationslücken mit risikoreichen Folgen. Zusammenarbeit verbessert sich, wenn Einzelne Verantwortung übernehmen, Perspektiven wechseln und aktiv Brücken bauen. Echte Kooperation beginnt immer beim eigenen Verhalten.

 

Warum Zusammenarbeit heute so oft scheitert

Manchmal fühlt sich Arbeit an wie ein unsichtbares Spielfeld. Hier das eigene Team, dort „die anderen“. Vertrieb gegen Produktion. Zentrale gegen Standort. Alte Hasen gegen Neue. Jeder kämpft um Ressourcen, Anerkennung oder Einfluss. Echter Zusammenhalt Fehlanzeige. Wenn Teams zu Einzellagern werden, braucht es neue Strukturen und vor allem Menschen, die Brücken bauen.

Schon in den 1950er Jahren zeigte der Sozialpsychologe Muzafer Sherif im berühmten Räuberhöhlen-Experiment, wie schnell sich Gruppen gegeneinander abgrenzen, selbst dann, wenn alle eigentlich friedlich und vernünftig sind. Denn das ist kein Zeichen mangelnden Willens, sondern ein zutiefst menschliches Muster.

Was damals geschah: Sherif ließ zwei Gruppen von Jungen in einem Ferienlager getrennt voneinander leben. Jede Gruppe entwickelte eigene Rituale, Namen und ein starkes Wir-Gefühl. Als sie später in Wettkämpfe gegeneinander geschickt wurden, kippte die Stimmung gewaltig: Es kam zu Aggressionen, Sabotage und offenen Feindseligkeiten. Versuche, die Konflikte durch Begegnung zu lösen, verschärften die Lage weiter. Erst als die Teams gemeinsame Ziele verfolgten, die nur durch Zusammenarbeit erreichbar waren, verbesserte sich das Verhältnis zwischen ihnen deutlich.

Die Erkenntnis: Konflikte entstehen oft durch eine „Wir-und-die-anderen-Haltung“. Verbindung entsteht nicht durch Appelle oder bloßes Kennenlernen, sondern durch das gemeinsame Lösen von Problemen.

 

Was das Räuberhöhlen-Experiment für Organisationen bedeutet

In Organisationen passiert Ähnliches jeden Tag: Abteilungen verfolgen eigene Ziele, Meetings enden im Gegeneinander statt im Miteinander, und die Perspektive auf das gemeinsame Ganze geht verloren.

Doch Du bist diesem Spiel nicht ausgeliefert. Auch wenn Führung oder Strukturen es (noch) nicht aktiv fördern, kannst Du selbst dazu beitragen, Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg zu stärken.

 

Sechs Schritte, wie Du vom Gegeneinander zum Miteinander führst

 

1. Biete Deine Hilfe an

Warte nicht, bis Du gefragt wirst, sondern biete Deine Expertise proaktiv an, wenn Du siehst, dass andere Teams vor einer Herausforderung stehen, bei der Du helfen kannst.

Beispiel: Du siehst im internen Chat, dass jemand aus einem anderen Team bei einem Thema feststeckt, in dem Du Expert:in bist. Du schreibst eine kurze Nachricht und bietest Deine Unterstützung an.

 

2. Erkenne Deine eigene „Wir-und-die-anderen-Haltung“

Achte darauf, wie Du über andere Teams denkst und sprichst: „Die aus der Zentrale“, „die da oben“, „die Technik“. Solche Formulierungen schaffen Distanz, führen zu schlechter Stimmung und schmählern Eure Ergebnisse. Denke dran: Ihr sitzt alle im selben Boot. Benenne das auch, wenn Du merkst, dass andere abgrenzend denken. 

Beispiel: „Letztlich arbeiten wir alle für die gleichen Kund:innen. Was können wir tun, damit er die bestmögliche Erfahrung macht?“

 

3. Bleib neugierig statt wertend
Wenn Du merkst, dass Du über ein anderes Team kritisch denkst, halte kurz inne und überlege, was deren Sicht sein könnte. Denn Perspektivübernahme ist ein Zeichen von Reife. Noch wirkungsvoller sind Fragen an die Beteiligten, die Empathie und Verständnis schaffen: 

  • Was waren die Herausforderungen für Euch bei diesem Projekt?
  • Was waren die ausschlaggebenden Kriterien für diese Entscheidung?
  • Welches Ziel verfolgen wir damit?

 

4. Teile Informationen großzügig
Misstrauen wächst dort, wo Wissen fehlt. Teile Informationen, die anderen helfen, auch wenn Du keinen direkten Vorteil davon hast. So baust Du Brücken, über die Du selbst irgendwann gehst.

Beispiel: Du erstellst eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte eines Meetings und schickst sie an relevante Kolleg:innen aus anderen Teams, die nicht teilnehmen konnten.

 

5. Suche übergeordnete Verbindungen
Frage Dich: Wofür arbeiten wir eigentlich gemeinsam? Für Kund:innen, für die Gesellschaft, für die Umwelt? Wenn Du das im Gespräch benennst, verschiebt sich der Fokus automatisch auf das große Ganze und schafft echte Kooperationen.

Beispiel: Du erinnerst in einer festgefahrenen Debatte daran, dass das gemeinsame Ziel ist, das Unternehmen voranzubringen, und nicht, das eigene Team zu bevorteilen.

Im Gespräch mit Kolleg:innen über eine Anfrage, die von der Produktion verzögert wurde, sagst Du nicht: „Die aus der Produktion sind mal wieder zu langsam“, sondern: „Die Produktion hat eine Verzögerung gemeldet. Ich frage mal nach den Hintergründen, damit wir es dem Kunden besser erklären können“.

 

6. Achte auf kleine Allianzen
Ein gemeinsames Projekt, ein geteilter Erfolg, ein offenes Gespräch über Herausforderungen, jedes davon ist ein „Wir-Moment“. Solche kleinen, selbst initiierten Kooperationen wirken oft stärker als große Programme.

Beispiel: Bei einem technischen Kunden-Problem, das Dein Team nicht lösen kann, bittest Du einen Experten aus der IT um Unterstützung. Das positive Feedbacks teilst Du transparent im Projekt-Meeting. 

 

Warum das wertvoll für Dich und Eure Wertschöpfung ist

Jede Person hat eine Einflusszone. Nutze Deine bewusst und positiv. Eine offene und verbindende Haltung führt zu mehr Vertrauen, zu angenehmen Arbeitsmomenten und langfristig zu besseren Ergebnissen. Wenn Du beginnst, übergeordnete Perspektiven einzunehmen, inspirierst Du automatisch auch andere dazu. Kooperation ist ansteckend. Schritt für Schritt verändert Ihr das Klima in Eurer Organisation – ganz natürlich und ohne bunte Folien „von oben“.

 

Fazit

  • Teamkonflikte entstehen oft aus gruppenpsychologischer Abgrenzung, nicht aus fehlender Kompetenz oder Motivation.

  • Das Räuberhöhlen-Experiment zeigt, dass Kooperation entsteht, sobald gemeinsame Ziele relevant werden und nicht durch Appelle.

  • Eigenverantwortung wirkt als Startpunkt für bessere Zusammenarbeit, auch ohne formale Führung.

  • Zusammenarbeit ist ein Zusammenspiel aus psychologischen Dynamiken, Kommunikation, Informationsfluss und Nutzerorientierung.

 

Weiterführende Impulse für Deine Entwicklung

Das Räuberhöhlen-Experiment zeigt, wie schnell Menschen in Lager verfallen und andere ausschließen. Aber es zeigt auch, dass Brücken möglich sind, sobald wir einen Grund finden, sie zu bauen.


Wenn Du verstehen möchtest, warum echte Zusammenarbeit immer mit Eigenverantwortung beginnt, lies den Artikel „Eigenverantwortung als Fundament“ auf braveyou. Dort findest Du auch das begleitende Workbook „In 7 Tagen zu mehr Verantwortung“, das Dich Schritt für Schritt unterstützt, bewusster zu entscheiden und innere Klarheit zu gewinnen.

Noch tiefer geht der Artikel „Was uns im Innersten steuert“ zum Thema psychologische Grundbedürfnisse. 

Wenn Du Deine Kommunikationsfähigkeiten stärken möchtest, findest Du mit dem Workbook „Sag, was Du brauchst. Und höre, was andere bewegt.“ wertvolle Übungen. 

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